Du meine Seele singe Evangelische Kirchengemeinde St. Petri - St. Marien

"Frei und Niemand untertan".
4. Internationale Chormusiktage ChorInt 2016 in St.Marien: 4. bis 6. November 2016

im Rahmen der Veranstaltungsreihe zum Reformationsjubiläum 2016–2017 in St. Marien

Gregorianik und vorreformatorische Mehrstimmigkeit –
Propst Georg Buchholzer und Philipp Melanchthon: Reformation in Berlin und kirchlicher Neuanfang

Konzert und szenische Lesung aus dem Briefwechsel

04. November 2016 , 19.30 Uhr
 
Propst und damit erster Pfarrer an beiden Pfarrkirchen St. Marien und St. Nikolai Berlin war seit 1539 Georg Buchholzer. Als Student in Wittenberg von Luther und Melanchthon in seiner Theologie geprägt, wurde Buchholzer mit seiner Berufung nach Berlin zu einem der führenden Köpfe der Reformation: er war es, der am 1. November 1539 die erste öffentliche evangelische Predigt im Dom zu Berlin-Cölln im Beisein des Kurfürst Joachim II. Hector hielt, er war es, der in den folgenden Jahren bei der Durchsetzung der Reformation durch Visitationen (ab 1540) und durch die Mitarbeit im Konsistorium (ab 1543) maßgeblich beteiligt war. Der vermittelnden Kirchenpolitik des Kurfürsten Joachim II. stand Buchholzer sehr kritisch gegenüber. Bei der Ordnung der Gottesdienste ging er deshalb eigene Wege: mit der Abfassung eigener Agenden wie der „Ordnung der Meß” und der „Ordnung der Taufe”, die sich stärker an der Sächsischen Kirchenordnung und an Texten Luthers orientieren, hat Buchholzer „in den Gemeinden Berlins das liturgische Zeremoniell im evangelischen Sinn stärker bestimmt als die Kirchenordnung des Kurfürsten.” (Laminski)

Dazu erklingt polnische vorreformatorische und Renaissance-Musik von Mikołaj Gomółka, Wacław z Szamotuł, Mikołaj Zieleński sowie Gregorianik.

Mitwirkende: Chor ARSIS aus Poznan(Polen) u.a. / Leitung: Karolina Piotrowska-Sobzcak und Roland Stolte

 

Frei und Niemand untertan

Uraufführung der Oratorische Collage zum Reformationsjubiläum 2017 für Ensemble, Chor und Solisten
05. November 2016, 19.30 Uhr
 
Die Oratorische Collage „FREI UND NIEMAND UNTERTAN“ lässt sich inspirieren vom Bericht des Martin Crusius (1526-1607) über das Leben seines Vaters, des Berliner Nikolai-Kantors und späteren Pfarrers Martin Krauß (um 1490-1554), der hoffnungsvoll ergriffen von der Denkart und den Überzeugungen des Reformators Martin Luthers (1483–1546) war.
Ausgehend vom Nährboden der Reformation schlägt das Stück einen Bogen über Luthers Tod hinaus – bis hin zu den dramatischen Folgen, die die Neuordnung der christlichen Welt nach sich zog. In konkreter Auseinandersetzung mit Martin Crusius, dem Sohn des Martin Krauß’, werden politische Zusammenhänge und soziale Gefüge der damaligen Zeit beleuchtet. Crusius nimmt eine räumlich und zeitlich losgelöste Rolle ein. Als bewusst angelegter Gegenpol zum Vater hinterfragt er unverblümt die Folgen der Reformation für die Gläubigen als Befreiung aus angsterfüllter Frömmigkeit. Der Ideen- und Ratgeber Luther, dem der Pfarrer Martin Krauß in Wittenberg begegnet ist, bleibt als Spiritus Rector im Hintergrund.
In Verbindung zwischen historischen Fakten und Fiktion zeigt das Stück den unbekannten Martin Krauß, der exemplarisch für all diejenigen steht, die im lutherischen Sinn aus tiefer Überzeugung handeln und für ihre Ideale einstehen; die Widerständen trotzen und Haltung zeigen, insbesondere in Zeiten des Umbruchs und des Neubeginns.
Aus diesem Grund knüpft das Stück mit seinem Spannungsbogen über 500 Jahre nahtlos an Fragen und Herausforderungen in der Gegenwart an.

Bei der „Oratorischen Collage“ handelt es sich – wie das Genre „Collage“ verdeutlicht – um ein teilerdachtes Werk. Friktionen (Reibungen) als Kennzeichen von Collagen sowie ein freier und assoziativer Umgang mit Geschichte sind von den Komponisten / Künstlern ausdrücklich beabsichtigt.

Komposition: John Rausek / Libretto: Fredrick Grau, Katrin Morchner / Mitwirkende: MarienKantorei, Concertino Berlin, Solisten- und Schauspielerensemble / Regie: Karsten Morschett / Leitung: Marie-Louise Schneider

Abschlussgottesdienst

Der Kammerchor Enodamus aus London/Großbritannien unter der Leitung von Pam Hulme singt Mess-Vertonungen von William Byrd.
6. November 2016, 10.30 Uhr

Die Veranstaltungsreihe findet statt im Rahmen der Kampagne Luther 2017. Sie wird gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur Medien aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages, von der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, vom Musik aus Berlins historischer Mitte e.V. und vom Chorverband Berlin.