Du meine Seele singe Evangelische Kirchengemeinde St. Petri - St. Marien

"Frei und Niemand untertan".
4. Internationale Chormusiktage ChorInt 2016 in St.Marien: 4. bis 6. November 2016

im Rahmen der Veranstaltungsreihe zum Reformationsjubiläum 2016–2017 in St. Marien

Gregorianik und vorreformatorische Mehrstimmigkeit –
Propst Georg Buchholzer und Philipp Melanchthon: Reformation in Berlin und kirchlicher Neuanfang

Konzert und szenische Lesung aus dem Briefwechsel

04. November 2016 , 19.30 Uhr
 
Propst und damit erster Pfarrer an beiden Pfarrkirchen St. Marien und St. Nikolai Berlin war seit 1539 Georg Buchholzer. Als Student in Wittenberg von Luther und Melanchthon in seiner Theologie geprägt, wurde Buchholzer mit seiner Berufung nach Berlin zu einem der führenden Köpfe der Reformation: er war es, der am 1. November 1539 die erste öffentliche evangelische Predigt im Dom zu Berlin-Cölln im Beisein des Kurfürst Joachim II. Hector hielt, er war es, der in den folgenden Jahren bei der Durchsetzung der Reformation durch Visitationen (ab 1540) und durch die Mitarbeit im Konsistorium (ab 1543) maßgeblich beteiligt war. Der vermittelnden Kirchenpolitik des Kurfürsten Joachim II. stand Buchholzer sehr kritisch gegenüber. Bei der Ordnung der Gottesdienste ging er deshalb eigene Wege: mit der Abfassung eigener Agenden wie der „Ordnung der Meß” und der „Ordnung der Taufe”, die sich stärker an der Sächsischen Kirchenordnung und an Texten Luthers orientieren, hat Buchholzer „in den Gemeinden Berlins das liturgische Zeremoniell im evangelischen Sinn stärker bestimmt als die Kirchenordnung des Kurfürsten.” (Laminski)

Dazu erklingt polnische vorreformatorische und Renaissance-Musik von Mikołaj Gomółka, Wacław z Szamotuł, Mikołaj Zieleński sowie Gregorianik.

Mitwirkende: Chor ARSIS aus Poznan(Polen) u.a. / Leitung: Karolina Piotrowska-Sobzcak und Roland Stolte

 

Frei und Niemand untertan

Uraufführung der Oratorische Collage zum Reformationsjubiläum 2017 für Ensemble, Chor und Solisten
05. November 2016, 19.30 Uhr
 
Die oratorische Collage stellt in Schlaglichtern und Schlüsselmomenten das Leben und Wirken des Berliner Nikolai-Kantors und späteren Schlosskaplans Martin Krauß (1490–1554) dar, der hoffnungsvoll ergriffen von der Denkart und den Überzeugungen des Reformators Martin Luthers (1483–1546) war.
Ausgehend vom Nährboden der Reformation schlägt das Stück einen Bogen über Luthers Tod hinaus – bis hin zu den dramatischen Folgen, die die Neuordnung der christlichen Welt nach sich zog. In konkreter Auseinandersetzung mit Martin Crusius, dem Sohn des Martin Krauß’, werden politische Zusammenhänge und soziale Gefüge der damaligen Zeit durchleuchtet. Crusius nimmt eine räumlich und zeitlich losgelöste Rolle ein. Als bewusster Gegenpol zum Vater hinterfragt er unverblümt die Befreiung der Christenheit aus ihrer angsterfüllten Frömmigkeit. Der Ideen- und Ratgeber Luther, dem der Pfarrer Martin Krauß in Wittenberg begegnet ist, bleibt als Spiritus Rector im Hintergrund.
Es ist der unbekannte Martin Krauß, der exemplarisch für all diejenigen steht, die im lutherischen Sinn aus tiefer Überzeugung handeln und für ihre Ideale einstehen; die Widerständen trotzen und Haltung zeigen, besonders in Zeiten des Umbruchs und des Neubeginns. In diesem Punkt knüpft das Stück auch 500 Jahre später im Grunde nahtlos ans Heute an.

Komposition: John Rausek / Libretto: Fredrick Grau, Katrin Morchner / Mitwirkende: MarienKantorei, Concertino Berlin u.a. / Leitung: Marie-Louise Schneider

Abschlussgottesdienst

Der Kammerchor Enodamus aus London/Großbritannien unter der Leitung von Pam Hulme singt Mess-Vertonungen von William Byrd.
6. November 2016, 10.30 Uhr

Die Veranstaltungsreihe findet statt im Rahmen der Kampagne Luther 2017. Sie wird gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur Medien aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages, von der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, vom Musik aus Berlins historischer Mitte e.V. und vom Chorverband Berlin.


Archiv

ChorInt. - 3. Internationale Chormusiktage in St. Marien
23. bis 26. Oktober 2014

Zum Gedenken an Prof. Uwe Gronostay

Uwe Gronostay (1939 bis 2008) hat durch sein Wirken als Chefdirigent des RIAS-Kammerchores wie auch in der Laienchorszene Berlins über mehrere Jahrzehnte international anerkannte und für Berlin als Kulturmetropole herausragende Maßstäbe gesetzt. Aus Anlass seines 75. Geburtstages am 25.10.2014 erinnern ehemalige Meisterschülerlnnen, der Deutsche Chorverband und die MarienKantorei an dessen bedeutende Leistungen für und in Berlin national und international.

Der Verein Musik aus Berlins historischer Mitte e.V. und die St. Petri-St. Mariengemeinde stellen mit den 3. Internationalen Chormusiktagen ChorInt. 2014 für dieses Projekt eine Plattform bereit.

Die Internationalen Chormusiktage ChorInt. finden im Oktober 2014 zum dritten Mal statt. Sie sind als Konzertreihe der MarienKantorei mit international tätigen oder ausländischen Chören angelegt. Das alle zwei Jahre stattfindende Konzertwochenende bietet ein breites Spektrum an ungewöhnlichen Programmen geistlicher Chormusik.

Die 3. Internationalen Chormusiktag ChorInt. sind ein Projekt der Evangelischen Kirchengemeinde St.Petri-St.Marien / MarienKantorei Berlin und des Vereins Musik aus Berlins historischer Mitte e.V. in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Chorverband und der Universität der Künste Berlin. Ermöglicht aus Mitteln der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin. Mit freundlicher Unterstützung von Prof. Adele Stolte, Maria Gronostay, dem Förderverein des Philharmonischen Chores Berlin e.V. und dem Förderverein der Potsdamer Kantorei an der Erlöserkirche e.V. Unsere Medienpartner: › rbb Kulturradio, › www.concerti.de, › Dussmann das Kulturkaufhaus

Programm

Donnerstag, 23.10.2014, 20.00 Uhr
"Ein Deutsches Requiem" von Johannes Brahms

MarienKantorei, Kronenchor Friedrichstadt, Mitglieder des Philharmonischen Chores Berlin, Deutsche Kammervirtuosen Berlin (Mitglieder des DSO), Stephanie Petitlaurent (Sopran), Berthold Possemeyer (Bariton)
Leitung: Marie-Louise Schneider


Freitag, 24.10.2014, 20.00 Uhr
"Romantik und Exil"
- Konzert des Collegium Vocale Luzern (Schweiz) unter der Leitung von Ulrike Grosch sowie Orgelwerke gespielt von Ulfert Smidt
Orgel: Alfred Koerppen (*1926): Phantasie „Komm, heiliger Geist, Herre Gott“
Johannes Brahms (1833-1897): "Ach arme Welt"
Kurt Thomas (1904-1973): "An den Wassern zu Babel"
Peter Cornelius (1824-1874): "Seele, vergiss nicht die Toten"
Orgel: Robert Schumann (1810-1856) : Kanon As-Dur, op. 56.4
Robert Schumann: (1810-1856): "An die Sterne/Talismane"
Hugo Wolf (1860-1903): "Geistliche Lieder" Nr. 2/3/4
Anton Webern (1883-1945): "Entflieht auf leichten Kähnen"
Orgel: Jehan Alain (1911-1940): Jardin suspendu
Rudolf Mauersberger (1889-1971): "Wie liegt die Stadt so wüst"
Arnold Schönberg: (1874-1951): "Friede auf Erden" / "Dreimal tausend Jahre"


Sonnabend, 25.10.2014, 17.30 Uhr
"Es ist ein köstlich Ding..." Ein Fest für Uwe Gronostay

mit Chören ehemaliger Meisterschülerlnnen Uwe Gronostays

17.30 Uhr
MarienKantorei Berlin
Knut Nystedt (*1915): Laudate

Begrüßung durch
Veronika Petzold, Deutscher Chorverband
Jürgen Liebig (Deutschlandradio), Moderation

17.45 Uhr
amici del canto Wuppertal
Giovanni Gabrieli: Jubilate Deo
Heinrich Schütz: Verleih uns Frieden gnädiglich
J.S.Bach: Fürchte dich nicht, BWV 228

Begrüßung durch Marie-Louise Schneider, Marien-Kantorin

18.10 Uhr
„Polnische Chormusik“ - ARSIS – Chor Poznan
Mikolaj Zielenski (1550 - 1616): O gloriosa Domina
Siergiej Rachmaninow (1873-1943): Bohorodice diewo (Ave Maria)
Tim Sarsany (*1966): Salve Mater Misericordiae
Ola Gjeilo (*1978): Tota pulchra es Maria

18.35 Uhr
Prof. Wolfgang Dinglinger über Uwe Gronostay

18.50 Uhr
„Chor der Gronostay-Schüler“
Christoph Zschunke (*1970): Das ist ein köstlich Ding (Psalm 92, 2-6,9, Text und Mel: Rolf Schweizer; Liedarrangement Christoph Zschunke)
Louis Lewandowski (1821-1894): Heiligung für Chor, Bass-Solo und Orgel
Georg Schumann (1866-1952): Das ist ein köstliches Ding (Psalm 92), op.52,2
Max Reger (1873-1916): Nachtlied, op.138

- Pause -

20.00 Uhr
„Kompositionen von und für Uwe Gronostay“ - Kronenchor Friedrichstadt
Uwe Gronostay (1939-2008): Herr, höre mein Gebet, op. 5
Uwe Gronostay (1939-2008): Wohl dem Menschen, die dich für ihre Stärke halten, op. 5
Heinz Werner Zimmermann (*1930): Lobet, ihr Knechte den Herrn (Psalm 113)
Heinz Werner Zimmermann(*1930): Lasst uns dem Herrn frohlocken (Psalm 95) (Uwe Gronostay gewidmet)
Uwe Gronostay (1939-2008): Die Nacht ist vorgedrungen (dem Rias-Kammerchor gewidmet)

20.20 Uhr
Ananda Goud (Niederländischer Kammerchor) im Gespräch mit Jürgen Liebig

20.30 Uhr
Kammerchor Berlin
Joseph Rheinberger (1839-1901): Kyrie, Credo und Agnus Dei aus "Cantus Missae" Es-Dur, op. 109

21.00 Uhr
„Et in Terra pax“ - Hugo-Distler-Chor Berlin
Hugo Distler (1908-1942): In der Welt habt ihr Angst
Felix Mendelssohn Bartholdy (1809- 1847): Herr nun lässest du deinen Diener fahren
Rudolf Mauersberger (1889-1971): Wie liegt die Stadt so wüst
Thomas Jennefelt (*1954): aus Gesänge zum ersten Abend des Krieges
Max Reger (1873-1916): Ich liege und schlafe

21.25 Uhr
Collegium Vocale Luzern
Goffredo Petrassi (1904-2003): Nonsense per coro a cappella (1952) da „The book of Nonsense“ di Eward Lear, Tradizione di Carlo Izzo
Max Reger: Abendlied: op. 39

21.50 Uhr
“Jazz-Vocals” - Fabulous Fridays
Benedict Goebel: Horch, was kommt von draußen rein
Kay Michael Otto: der goldgelbe schimmel aus: sag kein wort
Michael Betzner-Brandt: Create a new beautiful problem
Anders Edenroth: Dönerchicken (Chili con Carne aus Berlin)

anschließend Nachklang/Gespräche/Begegnungen
Ende gegen 23.30 Uhr


Sonntag, 26.10.2014, 10.30 Uhr
Festgottesdienst mit Bach-Kantate in St. Marien

J.S. Bach "Lobe den Herren, den mächtigen König" (BWV 137)
Philharmonischer Chor Berlin, Deutsche Kammervirtuosen Berlin, Stephanie Petit-Laurent (Sopran), Berthold Possemeyer (Bariton)
Leitung: Prof. Jörg-Peter Weigle (Hochschule für Musik Hanns Eisler

Hintergrund

Professor Uwe Gronostay hat durch sein Wirken als Chordirigent in der Profi- wie auch Laienchorszene Berlins über mehrere Jahrzehnte entscheidende, international anerkannte und für Berlin als Kulturmetropole herausragende Maßstäbe gesetzt. Mit der Würdigung seiner Person wird sein bedeutender Betrag zur Berliner Musik vergegenwärtigt und dem Einfluss, den Uwe Gronostay auf mehrere Generationen von Dirigenten hatte, nachgespürt.

Aus Anlass der 75. Wiederkehr des Geburtstags von Prof. Uwe Gronostay am 25.10. 2014 wollen Meisterschülerlnnen der Chorleitungsklasse von Uwe Gronostay, der Deutsche Chorverband sowie die Universität der Künste (Fakultät Musik) dessen herausragenden Leistungen würdigen und an sein bedeutendes Schaffen für und in Berlin erinnern.

Der Verein Musik aus Berlins historischer Mitte e.V. und die Ev. Kirchengemeinde St. Petri-St. Marien / MarienKantorei stellen mit den 3. lnternationalen Chormusiktagen Chorlnt. 2014 für dieses Projekt eine Plattform bereit.

Prof. Uwe Gronostay (geb. 25. Oktober 1939 in Hildesheim, gest. 29. November 2008 in Berlin) war einer der bedeutendsten Chordirigenten und Chorerzieher des 20. Jahrhunderts.
Nach dem Studium der Kirchenmusik in Bremen war er als Kantor und Dozent für virtuoses Orgelspiel sowie für Radio Bremen als Freier Mitarbeiter tätig. ln Bremen gründete er den Norddeutschen Figuralchor, der rasch überregional von sich reden machte und u.a. die Aufmerksamkeit von Nikolaus Harnoncourt auf sich zog. (Mit dem Chor erarbeitete Harnoncourt 1973 seine erste Messias-Aufführung.)

1972 wurde Uwe Gronostay als Direktor des RIAS-Kammerchores nach Berlin berufen, wo er bis 1986 wirkte und den Chor zu dem internationalen Spitzenchor der professionellen Chorszene und zum "Berlinbotschafter" formte, der er bis heute ist. 1982 übernahm er zusätzlich die Leitung des Philharmonischen Chores Berlin, einem Laienchor mit hohem musikalischem Anspruch. Diesen Chor leitete Uwe Gronostay bis zum Jahre 2002. Von 1988 bis 1997 leitete er als Artistic Director und Chefdirigent den Nederlands Kamerkooor in Amsterdam und war erster Gastdirigent des Niederländischen Rundfunkchores Hilversum.

Mit seinen Ensembles spielte er über 50 Schallplatten und CDs ein, viele von ihnen wurden mit internationalen Preisen ausgezeichnet. Er leistete Pionierarbeit bei der Wiederentdeckung verschollenen Repertoires der Romantik und der Moderne (Hindemiths "Messe", Ernst Kreneks "Lamentatio Jeremiae Prophetae" u.a.) und unternahm zahlreiche Tourneen durch Europa und in die USA.

Neben seiner eigenen dirigentischen Arbeit war Uwe Gronostay ein begehrter Partner der großen Dirigenten unserer Zeit, wie von Karajan, Abbado, Ozawa, Mehta, Chailly, Muti oder Boulez, die ihm bevorzugt die Vorbereitung ihrer Chorkonzerte anvertrauten.

Seine Hochschullaufbahn als Professor für Chorleitung führte ihn über Berlin zunächst nach Frankfurt am Main als Nachfolger von Helmuth Rilling, seit 1989 wieder nach Berlin an die Universität der Künste (damals Hochschule der Künste). Hier gründete er einen eigenen Studiengang Rundfunk-/Konzertchor, in dem er seine immensen künstlerischen Erfahrungen weitergab und junge Chordirigenten ausbildete. Er hat zahlreiche Schüler durch seine inspirierende Art geprägt und sie motiviert, sich stets für eine künstlerisch wertvolle Chorarbeit einzusetzen.

lm Jahre 1999 erhielt Uwe Gronostay aus der Hand von Bundespräsident Johannes Rau den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland. ln Anerkennung seiner Verdienste schlug ihn Königin Beatrix der Niederlande 1997 zum Ritter des Orde van Oranje-Nassau.


ChorInt. - 2. Internationale Chormusiktage in St.Marien 2012

Die Internationalen Chormusiktage ChorInt. finden im September 2012 zum zweiten Mal statt. Sie sind als Konzertreihe der MarienKantorei mit international tätigen oder ausländischen Chören angelegt. Das alle zwei Jahre stattfindende Konzertwochenende möchte ein breites Spektrum an interessanten und ungewöhnlichen Programmen geistlicher Chormusik bieten.

2010 waren im Rahmen der Internationalen Chormusiktage ChorInt. der RIAS-Kammerchor unter der Leitung von James Wood mit englischer Chormusik, die MarienKantorei mit Kirchenmusik aus Berlines historischer Mitte und das französische Chor-Ensemble Opus á Voix mit französischer Chormusik zu erleben.

Begegnungen

2012 steht ChorInt. unter dem Motto Begegnungen.
Vom 7. bis 9. September werden die MarienKantorei und der diesjährige Gastchor Cantate Domino zusammen proben und konzertieren.
Der Chor Cantate Domino, Chor der Hernes Kirke in Elverum/Norwegen, ist seit Jahrzehnten ein wichtiger Bestandteil des kulturellen Lebens in Elverum. Der Chor ist eng verbunden mit der Kirche in Elverum und sowohl als Konzertchor als auch als liturgischer Chor aktiv. Künstlerisch geleitet wird der Chor seit 28 Jahren von Trond Våge, dem Organisten der Kirche.
Im gemeinsamen Konzert am 8. September werden sich dabei auch drei große romantische Komponisten beider Länder begegnen: Johannes Brahms verband eine enge künstlerische und persönliche Freundschaft mit dem norwegischen Nationalkomponisten Edvard Grieg. Während seines Studienaufenthaltes in Leipzig und auf seinen zahlreichen Konzertreisen machte Grieg auch Bekanntschaft und intensivierte seine Freundschaft mit der Witwe Roberts Schumanns, Clara Schumann. Durch sie lernte er die Werke des frühverstorbenen Robert Schumann kennen.
So werden in dem gemeinsamen Konzert am 8. September 2012, 19.00 Uhr die "Vier Psalmen für Bariton und gemischten Chor a cappella op. 74“ von Edvard Grieg vom norwegischen Chor gesungen und dem „Schicksalslied“ von Johannes Brahms gegenübergestellt. Gemeinsam bringen beide Chöre die große Messe von Robert Schumann „Missa sacra, op. 147“ zur Aufführung.
Eingeleitet wird der Konzertabend mit einem Werk des zeitgenössischen norwegischen Komponisten Knut Nysted.

Der renommierte Dresdner Kammerchor unter seinem Chefdirigenten Hans-Christoph Rademann – den Berlinern auch als Chefdirigent des RIAS Kammerchores bekannt – wird die zweiten Internationalen Chormusiktage am 7. September 2012 eröffnen.
Er gehört zu den Spitzenchören Deutschlands und ist bekannt für seinen unverwechselbaren Klang von großer Intensität und Klarheit. Lebendige Ausstrahlung sowie die oft gerühmte klangliche Homogenität und Transparenz sind die Stärken des international gefragten Ensembles, welches unter der Leitung von Hans-Christoph Rademann seit Jahren weltweit Erfolge feiert.
Es erklingen Werke aus dem Zyklus „Fontana d’Israel (Israelis Brünnlein)“, eine 1623 erschienene Sammlung von 26 geistlichen Motetten des Leipziger Thomaskantors und Bach-Vorgängers Johann Hermann Schein. Mit dieser Motettensammlung ist Schein seinerzeit ein kompositorischer Höhepunkt der bildlichen Textausdeutung und Textdarstellung gelungen.

Ein musikalischer Festgottesdienst mit dem Norwegischen Chor Cantate Domino und der MarienKantorei beendet die Chormusiktage am Sonntag, den 9. September 2012. Es werden Werke norwegischer und deutscher Kirchenmusik des 19. und 20. Jahrhunderts zu hören sein.

Die 2. Internationalen Chormusiktag ChorInt. sind ein Projekt der Evangelischen Kirchengemeinde St.Petri-St.Marien / MarienKantorei und werden unterstützt durch: rbb Kulturradio, Dussmann das Kulturkaufhaus, Königlich Norwegische Botschaft in Berlin, Sjømannskirken - Die Norwegische Kirche in Berlin und Verein Musik aus Berlins historischer Mitte e.V.

Programm

Freitag, 7. September 2012, 19.00 Uhr
Johann Hermann Schein: Israelsbrünnlein
Dresdner Kammerchor
Leitung: Hans-Christoph Rademann

Als zu Beginn des Jahres 1586 im beschaulichen Grünhain im Erzgebirge Johann Hermann Schein zur Welt, ahnte wohl niemand, dass 1630 an seinem Grab das Who is Who seiner Zeit versammelt sein würde. Allen voran Heinrich Schütz, der sich mit einer Motette von seinem „Scheini dilecte“ verabschiedete.
Schein war zur inspirierenden Quelle für die Musikgeschichte Mitteleuropas geworden, aus der 1623 das „Israelsbrünnlein“ hervorsprudelte. Diese Motetten voll höchster Emotionen und tiefem Ausdruck erfrischen Herz und Intellekt gleichermaßen. Wie nur wenige neben ihm kreierte Schein eine Wort-Ton-Beziehung, die seine Kompositionen zu intensiven und inhaltlich facettenreichen Erlebnissen werden lassen.
Ganz im Sinne Scheins, der die Motetten als ein musikalisches Trostbüchlein konzipierte, beschreibt Hans-Christoph Rademann Scheins Kompositionen: „Diese Musik kann Seelen heilen.“ Und sie kann kunstvoll die großen Lebensthemen wie Freude, Lust, Vergänglichkeit und Tod musikalisch durchleuchten.


Sonnabend, 8. September 2012, 19.00 Uhr
Begegnungen
Konzert der MarienKantorei und des norwegischen Chores „Cantate Domino“

Leitung: Marie-Louise Schneider und Trond Våge
Sopran: Barbara Kind | Bariton: Axel Baumgärtner
Deutsche Kammer-Virtuosen Berlin (Mitglieder des DSO) | Orgel: Arno Schneider

Edvard Grieg (1843–1907): Fire salmer (Vier Psalmen) für gemischten Chor a cappella und Bariton solo op. 74 (Cantate Domino)
Johannes Brahms (1833-1897): Herzlich tut mich erfreuen - Choralvorspiel für Orgel-Solo
Johannes Brahms: Schicksalslied für Chor und Orchester op. 54 (MarienKantorei)
Robert Schumann (1810-1856): Missa sacra (Messe in c-Moll) für Soli, Chor und Orchester op. 147 (MarienKantorei und Cantate Domino, Ltg. Marie-Louise Schneider)

„Religiös ist er ohne Religion“ schrieb Robert Schumann als 20-jähriger über sich selbst – und dies könnte auch die Überschrift zu diesem Konzert sein. Warum Schumann, der der Kirchenmusik doch eher fern stand, anscheinend ohne Anlass und ohne Auftrag am Ende seines Schaffens 1852 eine lateinische Totenmesse geschrieben hat – wir wissen es nicht. Zwei Jahre später kam er nach einem Selbstmordversuch in eine Nervenheilanstalt, in der er nach weiteren zwei Jahren des Dahindämmerns starb. Clara Schumann hat die Messe erst nach Konsultationen mit Johannes Brahms posthum zur Veröffentlichung und Aufführung freigegeben und war schließlich, auch erst nachdem sie diese 1861 gehört hatte, begeistert. Cantate Domino und die MarienKantorei werden die Messe gemeinsam aufführen.
Auch bei Edvard Grieg bewirkten traditionelle christliche Texte eher selten eine Reaktion. So findet man bei ihm, der als Student in Leipzig 1862 sein erstes Chorwerk „Dona nobis pacem“ schrieb, dann bis 1906 nur wenige religiöse basierte Chorwerke. Mit den „Vier Psalmen“ setzte Grieg dann aber doch einen religiösen Schlusspunkt unter sein Schaffen. Ein letztes Mal gab er seiner Vertrautheit mit den „verborgenen Harmonien“ der norwegischen Volksmusik einen beredten Ausdruck (Finn Benestad).
„Habe drei Psalmen für gemischten Chor und Solostimmen fertiggestellt, freie Bearbeitungen aus Lindemans Norwegischen Volksliedern. Diese Melodien sind so herrlich, dass sie es verdienen, in einer künstlerischen Form festgehalten zu werden.“ so Grieg Ende 1906. Editiert wurde das Werk posthum 1907 bei Peters in Leipzig.
Das Schicksalslied, Johannes Brahms´ 1871 vollendete weltliche Kantate, wurde schnell europaweit ein großer Erfolg und belegt einmal mehr seine Einordnung als einen der bedeutendsten europäischen Komponisten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Wie in Hölderlins Textvorlage beschwört Brahms zunächst die lichte Klarheit einer Götterwelt, um sie dann dem von Leid, Tod und Tragik bestimmten Schicksal des Menschen gegenüberzustellen. Aber anders als Hölderlin kann Brahms den negativen Schluss nicht akzeptieren und fügt eine versöhnliche Coda an. „Ich sage ja eben etwas, was der Dichter nicht sagt. Und freilich wäre es besser, wenn ihm das Fehlende die Hauptsache gewesen wäre.“


Sonntag, 9. September 2012, 10.30 Uhr
Festgottesdienst zum Abschluss der Internationalen Chormusiktage ChorInt.
Geistliche Chormusik aus Norwegen und Deutschland
mit der MarienKantorei und „Cantate Domino“
Leitung: Marie-Louise Schneider und Trond Våge